Wie alles Begann

Eigentlich wollte ich ja mal Einzelhandelskaufmann im Sportbereich werden, aber das sollte nicht sein.
Ich hatte 1995 eine fixe Zusage für die Lehrstelle in einem kleinen Sportgeschäft. Zu meinem Glück ging ich eine Woche vor Lehrantritt nochmals in dieses Geschäft um noch Unklarheiten zu beseitigen und den Vertrag zu unterzeichnen.
Der Geschäftsinhaber meinte dann nur, dass er mir absagt, da er einen anderen und besseren Jungen gefunden hatte. Naja was soll man machen, wenn der Besitzer seinen eigenen Neffen der doch nicht mehr weiter zur Schule gehen wollte bevorzugt.
Tief deprimiert ging ich nach Hause, suchte mir aber gleich eine weitere Stelle.
Nach wenigen Telefonaten wurde ich von einer größeren Sportkette zu einem Eignungstest eingeladen.
Ich ging voller Optimismus zu diesem Termin, und meine Freude wurde noch größer als ich sah dass ich mich nur mit einem Kontrahenten geistig duellieren musste. Noch dazu schien dieser- ich sags mal vorsichtig- nicht ganz helle zu sein.
Flugs schrieb ich den Test und ging mit einem sehr guten Gefühl, auf den Anruf der Firma wartend nach Hause.
Dann das unfassbare!
Ich erhielt wieder eine Absage, dass mit einem vernichteten Gespräch über meine Testleistung einher ging.
Ich fing langsam an, an mir zu zweifeln.

Was nun?!

Da hatte meine Mutter eine ihrer Meinung nach fantastische Idee: Werde doch Friseur!!
Ich schluckte mal und dachte naja mal rein schnuppern kostet ja nichts.
Meine Eltern bemühten sich gleich um ein Praktikum bei dem Haller Figaro -Meister Richard Seiwald.
Ich kannte Richard schon von klein auf und fand Ihn richtig cool, da er alle Leute kannte und ein lustiger Geselle war.
Nach einer Woche wusste ich, so ich werde Friseur!
Perfekt wurde das Unternehmen Friseur, als mir meine Mutter sagte sie habe einen Lehrplatz gefunden und ich könne gleich nächste Woche anfangen.

Ich begann meine Lehre beim Friseur und Sonnenstudio Florida.
Keine 2 Tage nach dem Lehrbeginn erhielt ich zu meinem staunen einen Anruf von dem Herren der Sportkette, der mir die Absage erteilt hatte.
Dieser meinte, es gab einen riesen Fehler! Irgendwie haben sich die zwei Tests in den falschen Bewerbungsmappen befunden und sie haben jetzt einen Lehrling mit dem nichts anzufangen ist, und würden mich bitten, bei besserem Lohn bei ihnen anzufangen.
Ich dachte mir super, mein Vertrauen zu meiner Intelligenz war schlagartig wieder da, und diesmal sagte ich jemanden ab. Mein Entschluss war gefasst. Ich blieb bei der Friseur Lehre.

Leider hatte ich in meiner Lehrzeit 2 besonders schwere Unfälle, womit ich gesamt gesehen über 1 Jahr ausfiel. Dies erfreute meine Chefin überhaupt nicht, dem entsprechend war auch die Stimmung.
Die Gesellenprüfung stand an. Leider hatte ich nur wenig Unterstützung meines Salons, eher meinte die damalige Angestellte dass ich es niemals schaffe. Falls doch darf ich sie "Sepperle“ nennen.

Aufgrund dieser und anderer aufbauenden Worte entschloss ich mich nicht zur Gesellenprüfung anzutreten und eine neue Lehre als Maurer anzufangen.

Sie lachen...? Ja das war mein ernst.

Am Abend vor der Gesellenprüfung kam meine Mutter in mein Zimmer und brach in Tränen aus. Sie flehte mich an doch zur Prüfung zu gehen. Sie habe mir sogar Modelle besorgt und jetzt liegt es nur an mir.

Ich gab dann den Tränen meiner Mutter nach sagt dass ich es dann halt probieren werde.
Chancen rechnete ich mir keine aus, weder lernte ich für die Sachkunde Prüfung noch kannte ich alle Modelle geschweige hatte ich auf deren Köpfen öfters geübt.

Also kam der Prüfungstag und ich stand ohne Selbstvertrauen unter einem Haufen zukünftiger gackernder Jungfriseurinnen.

Nach einer Zeit gingen die Prüfer die Runde und fragten alle wer dem Beruf treu bleibt und welche Ziele wir haben.

Als ich dann an der Reihe war meinte ich nur, dass ich nur meiner Mutter wegen heute da bin und eine neue Lehre als Maurer machen will.
Ich erwartete mir, dass die Prüferin wohlwollend nickt und auch meint dass es so besser ist, aber zu meinen erstaunen fragte sie mich ob es mir gut geht und dass ich unbedingt Friseur bleiben soll, da meine bisher gezeigte Leistung überaus gut waren.

Wow! Das erste Lob seit langem!
Hat sie das wirklich ernst gemeint?

Später kam die Dame nochmals zu mir und meinte wenn ich nicht Friseur bleiben will, wär Maskenbildner vieleicht der richtige Beruf für mich.

Ich lachte herzhaft und war davon überzeugt in diesem Beruf nicht Fuß fassen zu können.
Die Prüferin meinte dazu: Gib mir deine Anschrift und Telefonnummer ich werde diese dem Chefmaskenbildner des Tiroler Landestheater weiterleiten und dieser wird sich dann bei dir melden.

Nach langem hin und her gab ich der Dame wonach sie verlangte und setze meine Arbeit fort.

Es kam der späte Nachmittag und die Prüfung ging zu Ende.
Alle warteten wir gespannt auf die Ergebnisse...... eine nach der anderen konnte sich den Gesellenbrief abholen....... bis nur noch ich übrig blieb......... Oh Gott, jetzt kommt’s........ sicher habe Ichs nicht geschafft...... die schlechtesten zum Schluss, damit man nicht die ganze Zeit das Geheule im Raum hat.

Ich wurde aufgerufen und die Prüfer meinten: Für die Zukunft mehr Selbstvertrauen, denn ich habe den ausgezeichneten Erfolg nur sehr knapp verfehlt!

Welch ein Glück!
Ich hatte aller Voraussicht zum trotz bestanden und leider nur knapp den Vorzug verpasst.
Wie war das mit "Sepperle"?

2 Tage nach der Prüfung kam ich morgens um halb 9 verschlafen aus meinem Zimmer.
Das Telefon läutete, ich ging hin und es war der Chefmaskenbildner Dieter Lena des TLT.

Wie es dann weiter ging liegt ja auf der Hand.
Seit dem 7.9.1998 bin ich nun am Tiroler Landestheater als Maskenbildner beschäftigt. Mittlerweile arbeitete ich schon für die "Alte Musik" in Innsbruck, bei den Salzburger Festspielen und den Tiroler Volksschauspielen.


Und nun ist es an der Zeit meinen Eltern für alles zu Danken!
Ohne euch, speziell ohne Mutters Tränen, wär ich heut nicht, wo ich jetzt bin!



Danke!